SENEC

PV Mai 06, 2020

Heute, vor genau einem Jahr begann das Projekt Solar-Anlage. Und es war nervenaufreibend und interessant und hat tatsächlich 11 Monate gedauert.

Für das Projekt FossilFree 2020 habe ich mich damit beschäftigt, wo wir als Familie fossiles CO₂ freisetzen, und wie sich das mittel bis langfristig vermeiden lässt. Am Ende haben wir uns für eine Strategie entschieden, die in 3 Ausbaustufen langfristig unsere Infrastruktur klimaneutral neu aufstellt:

  1. CO₂-neutrale Energieversorung
  2. Diesel gegen Elektro-Auto ersetzen
  3. ÖL-Heizung gegen „was CO₂-Neutrales“ tauschen

Wir haben, Stand heute, bereits ⅔ dieser Vorhabens innert eines Jahres erledigt! In diesem Artikel soll es nun um die CO₂-neutrale Energieversorgung mit unserer PV-Analge gehen. Und den langen steinigen Weg dahin …


Wir sind halt seit Evigkeiten bei e•on - früher e.dis. Vielleicht auch weil mein Vater e.dis Elektroinstallations-Meister war. Aber der „Energiemix“ machte auch mir zunehmend keine Freude. 14,6% Atomenergie - noch immer überdurchschnittlich viel, was aber auch daran liegt, dass die e.on Tochter „Preußen Elektra“ unter anderem das AKW Isar 2 betreibt. Es sind zudem 26% aus Kohle & Gas. Und in den 53,8% der „Erneuerbaren Energien, finanziert aus der EEG-Umlage“ ist auch nach wie vor wegen der Mitverbrennutzung dreckiger Kohlestrom enthalten.


Nach einiger Recherche war uns klar, dass wir zwar eine PV haben wollen, aber ich nicht allein auf dem Dach rum klettern möchte und dass mir trotz fundiertem theoretischem Verständnis die praktische Erfahrung fehlt, eine Solar-Anlage allein aufzubauen. Ich habe daher auf dem Portal solaranlage.eu dann mein Projekt eingestellt und mit dieser unspektakulären E-Mail begann die Geschichte:

Sehr geehrter Herr Tralles,
Sie haben am 06.05.2019 eine Anfrage auf solaranlage.eu gestellt. Wie gewünscht haben wir Ihre Photovoltaik-Anfrage weitergeleitet. Zur Vereinbarung eines Termins werden Sie in Kürze von SolarstromDirekt GmbH kontaktiert.

Und so war es dann auch. Neben SolarstromDirekt haben sich aber auch andere Anbieter vorstellig gemacht. Wer sich nicht auf die Ausschreibung hin gemeldet hat, war e•on Solar, aber denen wiederum bin ich noch ein paar Monate persönlich hinterhergelaufen, um ein Angebot zu erhalten. Das habe ich letztlich auch bekommen, aber nur mittels Fern-Diagnose. Fotos, Telefonate, E-Mails. Keine Vor-Ort-Besichtigung. Aber. Am Ende der ersten Runde hatte ich 9 unterschiedliche Angebote. Ich habe dann die 3 besten Anbieter herausgesucht um in eine zweite Runde - Feinabstimmung zu gehen:

  • e•on Solar
    eher aus emotionalen Gründen, weil ich schon immer e•on Kunde war. Ich hatte die Vermutung, dass bei e•on dann die organisatorischen Abstimmungen mit dem Netzbetreiber e.dis am einfachsten seinen müssten …
  • Vattenfall
    Hier hat mir super strukturierte Ablauf, der fundierte Vor-Ort-Termin, die sehr schnelle Bearbeitung meiner Fragen und das gesamte „kunden-orientierte“ Auftreten sehr gefallen.
  • SolarstromDirekt
    Meine Fragen wurden von Dr. Möller nicht nur mit Erfahrungswerten sondern auch mit wissenschaftlichen Studien und individuellen Berechnungen belegt und dennoch waren die Vorschläge sehr pragmatisch und praxisnah.

Auch wenn das jetzt etwas arg eingedampft erscheint, ins Finale der dritten Runde gingen praktisch diese drei Angebote, mit den Vergleichswerten:

Anbieter kWp € pro kWp Speicher Cloud e-Mobility
Ladestationen
Sharing
e•on 23,56 1.623,18 14,4 kWh
25,99 € mtl.

~ 8.000
Vattenfall 25,84 1.567,71 20,4 kWh
SENEC
SolarstromDirekt
28,83 1.795,53 10 kWh
15,95 €

~ 30.000

2 Abnehmer

Um die Möglichkeit, unterwegs das e-Auto aufzuladen, nutzen zu können, müssen bei e•on und SENEC jeweis noch mal 4,95€ pro Monat pauschal dazu gebucht werden. Man erhält dann eine Ladekarte des jeweiligen Anbieters - und natürlich auch eine bequem per Smartphone zu benutzende Lade-App. Der „Pferdefuss“ bei e•on ist allerdings, es sind 4,95€ monatlicher Grundpreis zuzüglich Ladekosten, wärend bei SENEC an fast vier mal so vielen Ladestationen „der eigene Strom“ getankt werden kann. Das ist vom Konzept her eben doch attraktiver und ein innovatives zeitgemäßes Konzept …

2019 lag der durchschnittliche Preis pro kWp bei ca. 1.700 € - aus 2006 habe ich sogar einen Betrag von ca. 5.000 € als Mittelwert gefunden. Der Unterschied in der Spanne von bis zu 230 € in unseren Angebots-Stichproben wurde von e•on und Vattenfall auch mit einer identischen Aussagen erklärt: „Wir bieten nur eine Sorte Module an, daher können wir mit der Masse den Preis entsprechend drücken.“

Ein wichtiger Punkt in der Betrachtung, weshalb auch andere Solar-Anbieter aussortiert wurden, war: das Gesamt-Paket. Klar. Es gab Angebote von Installateuren, die „das Panel kann ich gerade sehr günstig bekommen“ und „diese Wechselrichter sind Testsieger“ kombiniert haben. Anbieter halt, wo die PV-Anlage wie eine Wärmedämmung als „eine Baumaßname“ geplant und durchgeführt wird, ohne, dass es ein „großes Gesamtbild“ gibt.

Im Grunde, treten also bei unserer Auswahl nicht ein David gegen 2 Goliaths an, sondern hier stehen sich tatsächlich die Konzepte von 3 Energie-Konzernen gegenüber.

Die Einflussgebiete der vier großen Energieversorger Deutschalnds

Vattenfall gehört Ost-Deutschland, e•on ist so die Mitte und den Westen Deutschlands teilen sich RWE und EnBW. SENEC wiederum ist als innovatives Unternehmen gestartet und gehört mittlerweile als „Marke“ zur EnBW. Während Vattenfall und e•on aber auf „CI“ und zentrale Vertriebsstrukturen setzen, ist SENEC eher ein „Franchise“, bei dem man selbst Fachpartner werden kann. Das haben Harald Frick und Dr. Carsten Möller gemacht, als sie die SolarstromDirekt GmbH gegründet haben.

Ich verlinke die Seite jetzt aber nicht hier. Es ist zu gruselig – dabei möchte ich hier doch von der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dieser Firma berichten und nicht eventuell interessierte Auftraggeber durch das 90er Jahre Web-Design und die verstörende Bild-Auswahl abschrecken ;)

Das Angebot von e•on ist also eine achtseitige Aufstellung von Komponenten. Keine Prosa. Alle Seiten sehen gleich aus. Eine Position nach der Anderen. Sogar die Montageanleitung für die IBC TopFix 200 ist an Stelle 34 aufgeführt. Und dann: Preis, Mehrwertsteuer, Gesamtpreis. Das war es. e•on verzichtet sogar auf ein „Sehr geehrte Familie Tralles, wir haben für Sie …“. Loriot's Heinrich Lohse hätte das nicht treffender darlegen können: «Hier haben Sie ein Angebot. Aber es ist uns  auch ein ganz kleines bisschen egal, ob Sie das annehmen wollen oder nicht …»

Vattenfall schickt übrigens kein „Angebot“ sondern gleich einen 18seitigen Kaufvertrag. Ein Statement. Das beginnt auch gleich mit emotional aufgeladener Werbung. Auf Seite 5 dann „Wir haben die folgende Anlage für Sie zusammengestellt“ - eine Auflistung der Kern-Komponenten: IBC-Module, Unterkonstruktion, Wechselrichter, …. - und, dem folgt dann wieder Werbung für die enthaltene ERGO-Versicherung sowie eine Aufrechnung, wie viel Geld die Anlage spart & einbringt, in den nächsten 20 Jahren. Um die Kosten gleich einmal zu relativieren. Man investiert halt in die Zukunft. Wer das vorher noch nicht wusste, soll es vor dem Kleingedruckten noch einmal erfahren …

Zwei Kontrahenten mit diametralen Ansätzen: fachliche Nüchternheit ohne Schnörkel versus bunte Marketing-Welt um den Kauf per Emotion zu erleichtern.

Und dann SolarstromDirekt: sie haben mit SENEC ein „Programm im Angebot“, das ebenfalls durch einen der vier großen Energieversorger gebackt ist. SENEC ist dabei aber kein geschlossenes System, wie e•on Solar, und kein Massen-System wie bei Vattenfall. Der in Deutschland entwickelte und gebaute Speicher ist zwar das Herzstück – aber alles Weitere können die Franchise-Unternehmer nach eigener und regionaler Gegebenheit individuell anpassen. Und hier spielen Carsten und Harald die Stärken ihres Zwei-Mann-Unternehmens auch voll aus. Harald als gelernter Dachdecker hat sofort ein Blick für Material und kann den Bau-Ablauf super strukturieren und erklären. Da hatte Vatenfall zum Beispiel nur „das machen dann die Handwerker“ sagen können. Aber wie?

Die Individualität der Planung und Innovationsfreude der Beiden zeigt sich schon bei der erst-Besichtigung: da wird mit einer Drone das Dach fotografiert und ausgemessen. Für die Dachneigung wurde tatsächlich der Winkel am Giebel ermittelt und nicht „geschätzt“ und die Ausrichtung des Daches wird per Kompass ermittelt, statt auf google|maps zu vertrauen. Die Angebote mit den Dronen-Aufnahmen zeigen gleich ein mögliches Bild und verdeutlichen schon auf der ersten Seite „So wird Dein Solarprojekt aussehen“.

Hinter dieser schönen Darstellung stand allerdings keine aufwändige Projekt-Software, wie ich aufgrund der Qualtät der Darstellung vermutete, sondern Carsten hat die Solar-Panele mit Corel-Draw perspektivisch und maßstabgsgetreu „montiert“. Der Vertreter von Vattenfall hat ein Screenshot von google Maps gemacht und mit seinem Windows Vista MS-Paint die blauen Panele bei uns am Küchentisch eingezeichnet. Wichtig ist halt, dass man sein Werkzeug beherrscht. IBC-Solar hat übrigens einen ganz hervorragenden Online-Solar-Rechner.

Leider habe ich von denen aber auch kein Angebot auf meine Anfrage bekommen. Beziehungsweise. Die haben sich erst im August 2019 gemeldet. Vermutlich müssen die halt nicht mehr selbst verkaufen, da IBC-Module ja standardmäßig von Vattenfall angeboten werden.


Solar-Module

Appropos Modul-Auswahl. Grundsätzlich gibt es inzwischen eine recht große Vielfalt an unterschiedliche Modul-Typen die man bekommen kann. Die haben verschiedene Vor- und Nachteile:

Monokristallin Polykristallin Dünnschicht CIGS
Wirkungsgrad 14 - 20 % 12 - 16 % 6 - 10 % 13 - 15 %
Verhalten bei Schwachlicht Einbußen bei diffusem Licht Nur geringe Einbußen
Verhalten bei Wärme Einbußen bei hohen Temperaturen Nur geringe Einbußen
Kosten Teurer als Polykristallin und Dünnschicht Günstiger als Monokristalin und CIGS Günstiger als Monokristallin, Polykristallin und CIGS Bislang am teuersten
Langzeittest Sehr hohe Leistung, stabil, hohe Lebensdauer Hohe Leistung, stabil, hohe Lebensdauer Mittlere Leistung, etwas geringere Lebensdauer Geringere Leistung, im Winter aber höher, noch keine Langzeittests
Gewicht pro Quadratmeter Höher Niedriger
Anfälligkeiten für Störungen Sehr gering Gering

Quelle: solaranlagen-portal.com

Auch hier hat uns SolarstromDirekt sehr kompetent beraten und verschiedene Angebote mit verschiedenen Modulen erstellt. Wir haben sogar ein Angebot mit 108 Modulen, die noch die Ost-West-Ausrichtung des Nebengelasses mit ausgenutzt haben, um die Kurven am Morgen und Abend weiter zu strecken. Wir haben uns nach Abwägung aller Vor- und Nachteile (und dazu gehören eben auch der Kosten und die Degradation) für Monokristalline Solarzellen entschieden.

Was uns auch hier für SENEC vereinnahmt hat, sind die 25 Jahre Leistungsgarantie. „Unsere“ Module laut Angebot sind die SENEC.Solar 310M geworden. Und davon 93 Stück. Macht eine Anlagengröße von 28,83 kWp.


Finanzierung

Bei der Größenordnung dieses Projekts war es uns unmöglich, das aus Eigenmitteln zu finanzieren, also haben wir uns an unsere Hausbank gewandt. Es ist das erste Projekt seit dem Hauskauf und hier wurde es dann auch etwas komplizierter als nötig.

Die Bank sagte (irgendwie sogar verständlicher Weise), sie willigt nur dann in den Kredit ein, wenn der Netzbetreiber vorab zusagt, dass die geplante Anlage ans Netz gehen kann. Der Netzbetreiber (e.dis) hat sich schwer damit getan, etwas „theoretisch“ abzunehmen, da sie sonst angeblich nur die fertige Anlage anschauen und dann abnehmen oder zur Nachbesserung geben.

Wir haben also ende August, als die e.dis alle Unterlagen akzeptiert und grünes Licht gegeben hat. Und dann hat die Bank den Antrag an die KfW gegeben, welche durch die ILB das Geld freigeben sollte. Zwischenzeitlich ist aber aufgefallen, dass meine Frau noch immer in irgend einer Akte als „Schüler“ geführt wird, was dem Scoring nicht zuträglich war. Es wird also September bis alle Unterlagen zeitgemäß aktualisiert und durch die Instanzen der verschiedenen Banken gegangen ist. Dafür haben wir einen Zinssatz von knapp 1%. Die Haus-Finanzierung damals waren irgendwas um die 8%. Da wir inzwischen sehr zuversichtlich sind, dass es nicht mehr scheitern kann, beauftragen wir unseren Solarteur schon einmal mit der Instalation der Unterkonstruktion. Das Verbrauchsmaterial von knapp 6.000 € bezahlen wir aus unseren Rücklagen.

Im Übrigen ist der Kredit „ein durchlaufender Posten“. Wir haben 2019 im Monat 320 € an die e•on gezahlt, und noch mal was als Nachzahlung aus 2018 in 12 Raten agezahlt, so dass wir auf ~400 € Stromkosten pro Monat gekommen sind. Diesen Betrag haben wir für die Rückzahlung ebenfalls angenommen. Unser monatlicher Abschlag ändert sich daher nicht. Aber. Wir sind frei von allen Preissteigerungen in den nächsten Jahren. Ich kann diese Strategie nur wärmsten empfehlen.

Tja. Und. Der Kredit-Vertrag wird dann auch erst am 16. Oktober unterschrieben.


Solar-Dach

Im September werden die große Pakete für die Unterkonstruktion geliefert. Die Aluminium-Träger, Dachhaken, Schrauben und vieles mehr liegt bei dann bei uns rum. Dann ein Anruf von Harald, dem Mit-Eigentümer der SoarstromDirekt GmbH. Er ist auf einer anderen Baustelle und da ist Verbrauchsmaterial ausgegangen. Ob er sich was von uns leihen kann. Alles kein Problem. Harald genießt mein Vertrauen und es ist mir immer eine Freue mich mit ihm zu unterhalten. Er hat echt unfassbar viel Ahnung und schon so viel in der Branche mitgemacht. Ich kann aber auch das Gefühl nachvollziehen, dass man als privater Bauherr mit dem Investment auch irgendwie selbst ein Puffer für den Generalunternehmer darstellt. Ich stelle mir vor, dass das irgendwie immer irgendwo so läuft und auch das ist cahrmant. Wenn man den sozialen Aspekt dahinter sieht - das „mit- und füreinander“. Ich denke, so etwas wäre bei den „großen“ nicht passiert. Und wenn, dann wäre es nicht kommuniziert worden …

Und dann, gibt es plötzlich einen Termin für unsere Montage. Ein Tag für Lieferung und Aufbau der Rüstung. Und ein Tag später sind schon die Schienen auf dem Dach!

Der Überstand irritiert mich, aber Harald sagt, das bleibt erst einmal. Damit soll dann Platz zum Vermitteln der Module erhalten bleiben.

Ich bin zu dem Zeitpunkt wirklich sehr euphorisch, weil es erstmals den Eindruck gibt, dass es voran geht.

Aber.

So bleibt es dann auch erst Mal bis ende Oktober, da wir auf die Finanzierung resp. der Finanzierungszusage der Bank(en) warten mussten!

Mit der Freigabe der Finanzierung kann unser Solarteur auch erst die Solar-Panele und den Speicher bestellen. Hier gibt es aber dann auch das nächste Problem: die SENEC-Module aus dem Angebot vom Juli sind jetzt im Oktober „aktuell nicht lieferbar“, statt dessen wird von SENEC unter Garantie-Übernahme das „Konkurzenprodukt“ Astronergy CHSM 6610M Penta+ Premium Black Frame 310 geliefert. Carsten ist darüber eigentlich sehr glücklich, weil er Astronergy kennt und von deren Qualität überzeugt ist. Und letzlich, sagt er, sind die SENEC-Module identisch mit den Astonergy-Modulen. Also. Im Grunde: der gleiche Hersteller, andere Marken. Das Prinzip kennt man ja auch von Butterkesen …

Und dann geht es super schnell.

Das Erste Panel wird am 29. Oktober installiert und an diesem ersten Tag wird auch „nur“ die oberste Reihe geschafft. Wir haben 5 Reihen. Also denke ich mir „ok, wird 'ne Woche dauern“. Aber. Die erste Reihe ist nur die kniffligste, weil der Schornstein und die Ausrichtung die komplizierten Aspekte sind. Und Harald soll recht behalten. Am 30. Oktober ist bereits etwas mehr als das halbe Dach eingedeckt und am 31. Oktober sind wir mit dem Dach fertig! In nur 3 Tagen hat Harald mit seinem Kollegen die 93 Panel verlegt und die Kabel in die vorbereiten Kabelkanäle gezogen.

Doch wir haben noch 7 Monate vor uns, bevor das Projekt abgeschlossen werden kann!


Die Sache mit dem Elektroinstallateur

Jetzt stellt sich nämlich heraus, dass der Elektroinstallateur unseres Vertragspartners leider verunglückt / verhindert ist und unserer Generalunternehmer SolarstromDirekt kann die AC-Installation nicht eigenständig durchführen.

Bei uns in der Region ist kein Elektriker frei und die Begegnung mit dem Elektriker Stasink aus Berlin (der erst einmal die ganze Haus-Elektrik für noch mal 15 bis 20 tausend Euro hätte tauschen wollen, bevor er irgend etwas anderes anschließt) war auch eher so mittel …

Nachdem ich selbst ein Dutzend Betriebe angerufen hatte, ist mir noch eine Idee gekommen: durch mein Interesse an Tesla Solar hatte ich auch einen Tesla-Vertrags-Installateur in Eberswalde kennengelernt, die Firma Krechlok, die ich dann mit dem Solarteur zusammengebracht habe. Unter der Maßgabe, dass SolarstromDirekt die AC-Seite fertig übergibt, wollte die Firma Krechlok uns noch „dazwischen schieben“.

Sowohl wir auch SolarstromDirekt sehen das als Hoffnungsschimmer.


Der Speicher

Inzwischen ist der Speicher von SENEC auch wieder lieferbar. Es handelt sich um das SENEC.Home V2.1 mit 10kW/h Kapazität. Das bedeutet, dass halt vier Batterie-Pakete eingebaut werden. Der Speicher sieht durchaus schick aus, aber es gibt ein kleinen Wermutstropfen im Konzept: der Installations-Betrieb hat einen Zugang zur Konfiguration des Speichers. Der Eigentümer nicht. Was, wenn mein Solarteur einmal nicht mehr da ist? Hardware in der Größenordnung von elftausend Euro zu besitzen, diese aber nicht selbst verwalten zu können, erscheint mir ein grundsätzlicher Nachteil im SENEC-Konzept zu sein.

Außerdem, aber das werde ich in einem späteren Beitrag noch einmal ausführlicher betrachten, hat die SENEC-Software auf dem Speicher noch Verbesserungspotential. Sehr viel sogar …


AC↯DC

Das Schaltbild ist relativ einfach:
Solardach (DC) → Wechselrichter (AC) ↔ Speicher ↔ Stromnetz.

Allerding  stellte sich die Verbindung von Solardach und Wechselrichter als kniffliges Problem heraus. Die Wechselrichter brauchen es kühl. Gerade im Sommer. Daher ist eine Montage im Keller ideal. Um die Kabel nun in den Keller zu legen, sollte man aus ästetischen Gründen „in den Ecken“ verlegen was aber bei der gewölbten Kellerdecke eine, eigentlich 2, Bohrung von fast einem Meter nach sich gezogen hätte.

SolarstromDirekt entschied sich daher für eine „Außenmontage“.

Am 18. Dezember wurde daher eine Kernbohrung in die Feldsteinwand gebohrt und dann wurden die Kabel in Riffelrohr gezogen und dieses Riffelrohr in ein Metall-Rohr. Also, zwei Mal Gleichstrom (plus und minus getrennt) und zwei Mal Wechselstrom, weil wir zwei 15kW Wechselrichter installieren. Die DC-Leitungen bringen den Gleichstrom vom Dach in den Keller, die AC-Leitungen bringen den Wechselstrom wieder auf das Dach, denn vom Dach wird es dann wieder zurück in den Flur, in einen „neuen“ Verteilerkasten und von da aus in den Speicher gehen.

Wenn der Elektriker einmal Zeit für uns hat.

Es ist also inzwischen der 19. Dezember. Weit nach 21 Uhr. Mit dem Laser werden die Leitungen ausgerichtet und am Ende der Nacht quellen dutzende Kabel durch die  Kernbohrung, die dann aber erstaunlich schnell in die Wechselrichter geklemmt werden konnten. Wir haben Dachlatten zersägt, um die Kabel über den Giebel führen zu können und mit Eisenplatten wieder verbunden. Wir haben Netzwerkkabel zusätzlich eingezogen, denn die Wechselrichter müssen auch direkt mit dem Speicher verbunden werden. Carsten und ich sind ein gut eingespieltes Team und alle Achtung, ich kenne wenige Unternehmer die bis so spät in die Nacht beim Kunden arbeiten um einen angepeilten Termin zu erreichen. Aber dann, wenige Tage später kommt der Dämpfer: Krechlok wird das „dieses Jahr“ nicht mehr anschließen.

Januar 2020 wird also angepeilt.

Den Kabelgraben für die Garage habe ich bereits ausgehoben. Der Speicher steht, bestückt aber inaktiv im Flur. Die Wechselrichter hängen im Keller an der Wand. Aber hier endet 2019 eben ohne Solarstrom …


Januar 2020 beginnt mit dem 50sten Hochzeitstag meiner Schwiegereltern und einigen spannenden Gesprächen über Solar-Energie, wobei zwischen „schwärmen“ und „schönreden“ natürlich auch die Sorge mitschwingt, ob und wann wir das Projekt überhaupt fertigstellen können. Wir haben immerhin Hardware in der Größenordnung eines Jahresgehalts verbaut, aber können es nicht benutzen. Ob Carsten sich beschwert hat weiß ich nicht, aber plötzlich steht der Elektriker vor der Tür. Besichtig noch mal die Garage, den Flur, den Keller und das Dach und macht einen Plan. Mir wird Kevin vorgestellt. Er wird unsere Installation durchführen. Und so kommt es dann auch:

  • 10. Januar. Kevin kommt und installiert einen neuen leeren Hager-Verteilerkasten neben der alten Hausverteilung.
  • 21. Januar. Kevin ist wieder da. Es gibt eine zweite Kern-Bohrung um die Strom-Leitung für die Garage nach außen zu führen - bei der Gelegenheit werden auch 2 Cat7 Erdkabel mit-verlegt. Die Wallbox muss mit dem Speicher reden können und ich will bei der Gegelenheit auch gleich einen Lan-Anschluss für WiFi in der Garage installieren.
  • Am 25. Januar entrümpel ich den Stall, entferne eine Trennwand und am Ende des Tages kann man eine „Garage“ erahnen. Der Durchbruch für das Erdkabel ist auch bereits fertig und mein Schwiegervater hat mir eine Kabelmanschette geschweißt, damit das Kabel nicht beschädigt werden kann.
  • 27. Januar. Kevin klemmt Kabel an und am Ende des Tages sieht alles aus wie vorher. Ich kenne das von meinem Vater und finde das irgendwie ungerecht.
  • Kevin kommt noch mal am 2. Februar, um die neue Unterverteilung in der Garage anzuschließen. In der Zwischenzeit klemme ich Netzwerkkabel und Wallbox an. Ich installiere echt gern Kabelkanal mit dem Laser und wenn dann das Messgrät anzeigt, dass 60 Meter Netzwerkkabel korrekt angeschlossen und PoE-Tauglich sind, ist dass auch ein erhebendes Gefühl.

Und dann ist es so weit. Endlich. Am 3. Februar 2020 macht Kevin die technische Abnahme, erstellt ein Messprotokoll und nimmt die PV-Anlage zum ersten Mal in Betrieb!

Die Wechselrichter summen.

Es ist Februar und 18.690 Watt werden vom Dach in das Netz gepumpt.

Der Speicher lädt.

Es ist ein erhebendes Gefühl.

Für 15 Minuten.

Dann wird die Anlage wieder still gelegt und es passiert die nächsten Wochen erst einmal gar nichts.

Trotz mehrfacher Nachfragen beim Solarteuer und beim Elektriker: es rührt sich einfach nichts.

Die e•on e.dis schickt noch einmal eine Checkliste mit Dokumenten die fehlen. Diese Liste hatte ich bereits im September an den Solarteur gegeben.

Am Ende fehlt immer noch das Abnahmeprotokoll. Nach. 7 Wochen platzt mir der Kragen und ich drohe mit Regress, denn die e.dis versichert mir, dass die Inbetriebnahmeanzeige von 3.2. nicht eingegangen ist, während Firma Krechlok meinem Solarteur zusagt, dass die Unterlagen rausgegangen sein. Sicherlich. Mit etwas Verzug. Aber das möge man verstehen, die Formulare der e.dis sind neuerdings sehr kompliziert. Und dann fragt der Elektriker so nebenbei per Telegram nach meinem Geburtsdatum. Weil der Chef das für den Antrag braucht. Tage nach der Beteuerung, dass alles schon längst erledigt sei. Immerhin fast 2 Monate später! In den Richtlinien der e.dis steht, dass der Elektroinstallateur das „am Tag nach der Inbetriebnahme“ zu erledigen hat!


covid19

Mit Abschluss der Installation erhalte ich die Abschlussrechnung. Diese fällt ca. 4.160 € höher aus, als im Angebot veranschlagt. Der Elektriker war halt teurer als erwartet. Diese Kosten hätte es bei e•on und Vattenfall vertraglich abgesichert nicht gegeben. Bei den vielen Sonnentagen in diesem Winter / Frühling haben wir zudem π*Daumen noch 1 – 2 tausend Euro draufgezahlt - weil wir noch immer teuren (und in der zwischenzeit sogar teurer gewordenen) Strom beziehen müssen und keine Vergütung bekommen weil die seit Oktober installierten Panel noch kein Strom liefern. Und der Zähler kann indes immer noch nicht getauscht werden da sich wegen der verspäteten Einreichung der Unterlagen durch Krechlok die Freigabe bei der e.dis verzögert. Und wegen #covid19 stehen zudem auch noch weniger Installateure zur Verfügung. Am 1.4. hätte auch der DDR-Hausanschluss getauscht werden sollen und die e.dis wollte bei der Gelegenheit den Zähler gleich mit wechseln. Der Termin wird wenige Tage vorher telefonisch abgesagt …

Nun. Ostern kommt, und zieht vorbei. Kein Besuch von und bei den Großeltern und dann, aus heiterem Himmel - am 16. April, um 12:49 Uhr kommen 2 Telegram-Nachrichten:

  • sind in 20 min da
  • Um den Zähler bei dir zu wechseln

Und dann stehen doch tatsächlich 3 Elektriker vor der Tür.

Bauen den alten Zähler aus und den neuen Zähler ein.

Keine 2 Stunden später, um 14:45 Uhr ist unsere PV-Anlage am Netz! Mit den letzten beiden Zählern, die der Installateur noch im Wagen hatte! Er sagt, eigentlich® hätten bei uns Funk-Zähler verbaut werden sollen. Doch die sind aus, und neue Bestellungen gehen wegen corona gerade nicht raus. Aber Herr Krechlok habe sich wohl persönlich dafür eingesetzt und beim Netzmeister angerufen, so dass nun diese manuell abzulesenden Zähler installiert werden können. Der Installateur hat nach eigenem Bekunden auch nur noch 2 Zähler und danach muss er auf Nachschub warten, aber den gibt es vermutlich erst „wenn der ganze Mist vorbei ist.“.

Und nun werkelt der „zwei-Richtungszähler“ und misst Verbrauch und Einspeisung und noch am ersten Tag war der Speicher zu 100% aufgeladen. Aktuell laufen wir bei 78,4% Autarkie. Wir müssen uns noch etwas besser einspielen, wann wir den Strom insitu verbrauchen um unseren Netzbezug weiter zu reduzieren. Noch haben wir nämlich keine SENEC.cloud - dem steht die Kündigungsfrist bei e•on im Weg. Aber das müsste auch bald durch sein …


Fazit?

Das Projekt hat geschlaucht. Fast ein Jahr. Ich habe viel gelernt. Ich schätze Carsten und Harald sehr und als SolarstromDirekt liefern sie auch solide Arbeit ab. aber. So richtig rund laufen die Abläufe (noch) nicht. Weder bei SENEC, noch beim Solateur. SENEC zum Beispiel verweist bei Anfragen darauf den Solarteur zu fragen, doch wenn der sagt „weiß ich grad nicht, frag doch mal direkt bei SENEC“ dreht man sich halt im Kreis.

Beim Anschluss der Wallbox zum Beispiel, waren wir auch das Pilot-Projekt für die SolarstromDirekt GmbH. Und wenn zum Beispiel Speicher und Wallbox halt über 60 Meter Netzwerkkabel getrennt sind, und das anderthalb Meter Patch-Kabel von SENEC nicht reicht, währen fundierte Auskünfte zum Konfektionieren eines Patch-Kabels schon echt nett gewesen.

Die Zusammenarbeit mit der e.dis als Netzbetreiber ist grenzwertig. Der persönliche Kontakt zu unserer Regionalbetreuerin war ein großer Glücksfall. Aber es zeigt sich halt auch, dass die e.dis Abläufe etabliert hat, welche die Bürgerenergiewende massiv ausbremsen und sabotieren. Politisch nachvollziehbar. Aber eben auch nicht Kundenfreundlich. Und dass Formulare aus 2019 dann 2020 nicht mehr gültig sind, weil die Nummer der Anlage nun eine andere ist, das ist ebenso unerfreulich wie der Umstand, dass wir im SAP verschiedene Nummern bekommen haben, auf die sich verschiedene Sachbearbeiter dann beziehen.

Tja und dann ist natürlich die Wahl des Elektrikers auch ein Glücksspiel und eine Vertrauenssache – und wenn dann das Vertrauen missbraucht wird, schadet das halt sowohl dem Auftraggeber, als auch dem Generalunternehmer. Wie will zum Beispiel SolarstromDirekt langfristig mit Krechlok zusammenarbeiten, wenn der der Termine nicht einhält und über deren angebliche Erledigung unaufrichtige Aussagen kolportiert‽ Hier kann ich Harald und Carsten nur raten: stellt einen eigenen Elektriker ein, und bietet die Leistung „aus einer Hand an“. Diese stille Post zwischen GU und Sub-Unternehmer, diese Verantwortungsdiffusion und das Verstreichen von Fristen ist aus Auftraggebersicht echt zum Kotzen. Zwischen der Abnahme und Abschluss lagen noch mal 2 Monate. Und dabei tuen nicht nur die entgangenen Einnahmen weh, sondern die zusätzlichen Kosten durch noch immer für 35ct bezogenen Strom - was sich bei dem Elektroauto und mit der IR-Heizung für die Übergangszeit schon arg summiert. Firma Krechlok hat auf mein Schreiben diesbezüglich nie geantwortet. Kann man machen. Ist halt …

Tja. Und mit SENEC.cloud steht uns demnächst das nächste Abenteuer ins Haus. Unterwegs den eigenen Strom tanken? Die Abrechung der Gewinne aus der EEG-Umlage? Wir werden es sehen. 33% des Jahres 2020 sind schon rum und nach 11 Monaten ist das Projekt endlich online.


∑ Würde ich es wieder machen?

Auf jeden Fall! Ich kann jedem Eigenheim-Besitzter und jedem Bauherren nur dringend ans Herz legen: packt euch PV auf's Dach. In erster Linie wird Strom immer benötgit werden. Und wenn der Heißwasser-Speicher voll ist, kommt man mit Solar-Thermie in einen „unbrauchbarkeits-cap“. Überzähliger Strom geht ins Netz. Das ist super.

∑ Würde ich mich wieder für SENEC entscheiden?

Höchst Wahrscheinlich Ja, da mir noch immer das Gesamtkonzept  am Meisten zu sagt. Software-Technisch, vor allem in der Ladesteuerung und der Auswertung, ist noch Luft nach oben, und Konzeptionell würde ich mir mittelfristig noch die Möglichkeit wünschen, am Regelenergiemarkt zu partizipieren statt alle Einkünfte aus der EEG pauschal an SENEC abzutreten und dann mit der Jahresabrechnung vergütet zu bekommen. Aber im Moment kann ich SENEC auch wirklich wärmstens empfelen …

∑ Würde ich es wieder mit SolarstromDirekt machen?

Ja. Keine Frage. Viele Verzögerungen haben nichts damit zu tun, dass der Solarteur unseres Vertrauens im Vergleich mit Vattenfall oder e•on zu klein ist. Vatefall und e•on haben einzig vermutlich den Vorteil, dass sie einfacher auf Elektroinstallateure zugreifen können. Ich denke, SolarstromDirekt hatte sich 2018 gegründet - wir mögen daher vielleicht erst der zehnte oder zwanzigste Kunde dieser jungen und innovativen Firma gewesen sein. Aber mal abgesehen von der Unaufrichtigkeit des Elektrikers hätten wir alle Stolpersteine auch mit jedem anderen Anbieter gehabt. Neben der Tatsache, das wir uns für das beste Produkt entschieden haben, allein durch die guten Ideen die SENEC als „System“ bietet, hat die Zusammenarbeit mit Harald und Carsten eine Besonderheit, die wir mit den anderen „pauschalangebot-Anbietern“ nicht gehabt hätten: individuelle und persönliche Zusammenarbeit.

Da kam halt kein anonymer Bautrupp, und hat irgendwas abgeliefert - sondern Harald und Carsten waren und sind Leute, die sich Gedanken gemacht haben, die Vor- und Nachteile mit uns abgesprochen haben und, mit denen insbesondere ich auch persönlich zusammenarbeiten konnte. Das Leitungen einziehen, Netzwerkkabel verlegen und anschließen. Ich verstehe die Technik besser und das ist für mich als Eigentümer super wichtig. Wer ließt schon das Handbuch? Unter Anleitung aufbauen ist ideal, um auch in 10 oder 20 Jahren noch „da war was“ sagen zu können und eventuell auftretende Probleme schnell zu erkennen und zu behaben. Und außerdem haben wir es so auch ein stückweit „selbst gemacht“, was natürlich auch eine gewisse persönliche Bindung zu dem Projekt nach sich zieht. Das gute Gefühl „selbst mit angepackt zu haben“ bei der Bürgerenergiewende. Etwas nachhaltig richtig gemacht zu haben, für die nächste Generation …


Ich bin auf das nächste Fazit in einem Jahr gespannt. Ab 1.6. wird dann nicht mehr e•on unser Energieversorger sein, sondern eben SENEC.cloud.

Es bleibt spannend :)

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