Dezennium

familie Okt. 03, 2020
Ein Jahrzehnt (abgekürzt Jz.), auch Dekade (altgriechisch δεκάςdekás, von δέκαdéka‚ zehn‘) oder Dezennium (lat. decem ‚zehn‘ und annus ‚Jahr‘), ist ein Zeitraum von zehn Jahren.

1979 — 1989

Ich bin 1979 geboren habe also 10 Jahre in der DDR gelebt, in Rheinsberg und damit im ambivaltenten Einfluss zwischen Schloss Rheinsberg und KKW Rheinsberg. Wir haben in einem kleinen Häuschen gewohnt; die Oma, meine Eltern, wir 2 Kinder. Mein Vater war Elektriker bei der Installation und meine Mutter Köchin in der Schule und ich wollte Lehrer werden. Mathe & Physik haben es mir angetan, denn ich hatte sehr inspirierende Lehrer und war grundsätzlich sehr an Naturwissenschaften interessiert. Dann habe in der Schule mit einem KC 85 die ersten Erfahrungen mit Computern sammeln können und wusste einfach: das wird die Zukunft. Meine Oma väterlicher seits hatte eine Schwester in Westberlin und ich erinnere mich daran, wie schräg es war, als ich meinen Vater zum ersten Mal rasiert und mit Anzug gesehen habe. Er hat seine Mutter nach Westberlin gefahren, zum 70sten Geburtstag ihrer Schwester. Wie er später einmal bei einer Familienfeier sagte, hatte beabsichtigt im Westen zu bleiben …

1989 — 1999

Wir hatten einen Colormat 4506 Fernseher und es gab 6 Wahltaster für die Programme. Und dann erinnere ich mich an die Wende, daran wie mein Vater zu seinen Brüdern gefahren ist um die Reise in den Westen zu planen. Weihnachten 1989 habe ich dann einen, von der Stadverwaltung umgehend ausgemusterten, ROBOTRON PC 1715 mit 2,5 Megaherz bekommen. Mein Vater hat in den kommendne Jahren die Meisterprüfung als Elektroinstallateur abgelegt und sich selbständig gemacht. Für eine weitere Dekade hatten wir nun also die D-Mark und ich habe im Alter von 11 Jahren im Schlosspark Postkarten verkauft und Führungen angeboten. Ich habe mein eigenes Geld verdient und gesparrt, damit ich mir einen „besseren“ Computer kaufen konnte, denn inzwischen gab es bei den „wohlhabenderen“ Familien meiner Klassenkameraden echte Computer mit Farbe und Sound. Ich hatte nur zwei 5¼" Floppy-Laufwerke und mein CP/M war inkompatibel mit dem DOS der Klassenkameraden. Auf meinem Rechner lief im Grunde MBASIC und die meisten Dinge musste ich mir selbst programmieren. Ich habe mit dem 1715 die Schülerzeitung „Tintenklecks“ geschrieben und auf dem EPSON 9 Nadeldrucker gedruckt. Mit Jens zusammen habe ich das Computer Café geleitet, bei der Kammeroper gearbeitet und mein erster Pentium hatte dann schon 75 Megaherz …

„Kinderzimmer“ 1997

1999 — 2009

… gab es erneut eine neue Währung. Den Euro. Damit meine dritte Währung im gleichen Land. Ich habe die erste CeBit besucht und LINUX auf einem Tyan Tomcat II mit zwei 166 Mhz Pentium Prozessoren betrieben. Außerdem begann für mich die dritte Dekade wiederum zu Weihnachten dem ersten Treffen mit meiner Frau, die ich nach 6 Monaten Telefonfreundschaft zum D&D Rollenspiel eingeladen hatte. Die folgenden 10 Jahre waren daher Jahre stetigen Umbruchs. 3 Jahre Studium in Böblingen und die erste eigene / gemeinsame Wohnung in Berlin. Meine Frau hat ihr Abitur auf dem zweiten Bildugnsweg gemacht; wir haben geheiratet und im Weiteren folgte die Geburt unserer Tochter und der Kauf unserer Ranch …

2009 — 2019

Im November 2009 haben wir unser zweites Kind, unseren Sohn Aurel beerdigt und ein langer kostenintensiver Prozess gegen kriminellen Mitnomaden hat den Auftackt zu dieser Dekade bestimmt. Ich habe wichtige Freunde verloren; mein Geschäftspartner Ulf Siek hat wohl in der Zeit meiner Trauer mit 650.000 € aus dem Staub gemacht und mich mit einem Berg an Schulden zurück gelassen. Ich habe mir also einen neuen Arbeitgeber gesucht – und gefunden. Mein Herzens-Projekt konnten wir dann im Team so ausbauen, dass wir uns guten Gewissens nun Marktführer in dem Segment bezeichnen können. Mein Vater ist mit 66 an Krebs gestorben (auf die Krebs-Rate rund um das KKW muss ich in einem anderen Beitrag einmal eingehen). Wie erwartet bin ich ich leer ausgegangen, mein Vater hat mich also bis zum ende nicht als sein Sohn anerkannt. Meine Schwester hat das Haus übernommen und meine Mutter ist in eine kleine Wohnung umgezogen …

2019 — …

Mit dem 40sten Geburstag haben wir uns überlegt, was wir für unsere Kinder machen können, damit wir ihnen eine lebenswerte Zukunft hinterlassen und haben das Projekt FossilFree 2020 gestartet. Nach 25 Jahren in ihrem Beruf wurde meine Mutter während der Krankschreibung entlassen. Vorab per WhatsApp. Mit der unverholenen Begründung dass sie krank für das Unternehmen keinen Wert mehr hat.

In dieser Dekade gibt es keine neue Währung, zumindest keine neuen Zahlungsmittel - aber dank #covid19 ist Toilettenpapier wertvoller geworden. Das ist da sicherlich nicht die letzte Überraschung in diesem Dezennium. stay tuned …


30 Jahre Deutsche Einheit

Tja und dann haben wir 2020 und wir feiern 30 Jahre deutsche Einheit.

Ich wäre nicht hier, würde nicht an einem per bluetooth höhenverstellbaren Schreibtisch stehen und dieses Blog schreiben. Vermutlich wäre ich nicht einmal Lehrer geworden, weil mein Vater ein Systemkritiker war. Ich weiß nicht, was ich hätte werden dürfen - gewollt hätte ich auch gern Fotograf oder Filmtechniker.

Es gibt zumindest gute Chancen, dass ich meine Frau trotzdem hätte kennengelernt, da sie mit ihren Eltern im Sommer häufig mit dem Boot in Rheinsberg Urlaub machten und Katrins Onkel war eben einer jener Lehrer, die mich so inspiriert haben …

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