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CO₂ und das Haushaltsbuch

Ein häufiges Vorurteil für Klimaschutz ist, dass es zu teuer ist. Im Oktober 2019 wurde unsere PV-Anlage installiert, im Oktober 2020 die Wärmepumpe. Im Februar 2020 haben wir uns ein

vor 13 Tagen

Neuester Artikel CO₂ und das Haushaltsbuch Autor Marco Tralles public

Ein häufiges Vorurteil für Klimaschutz ist, dass es zu teuer ist. Im Oktober 2019 wurde unsere PV-Anlage installiert, im Oktober 2020 die Wärmepumpe. Im Februar 2020 haben wir uns ein elektro-Auto zugelegt. Wir haben also jetzt den Zustand erreicht, an dem wir in vier Sektoren CO₂-Neutral sind. Also gucken wir doch einmal auf die Kosten.

Immer wieder gibt es Blog-Artikel oder Videos welche die These vertreten:

Klimaschutz kostet Geld.
Kein Klimaschutz kostet mehr.

… und die Katastrophe im Ahrtal hat uns das in beängstigender Weise vor Augen geführt. Der Wiederaufbau wird mindestens dreizig Milliarden Euro kosten. Ausgeschrieben sieht das dann so aus: 30.000.000.000 Euro

Das Durchschnittsgehalt in Deutschland lag 2020 bei 3.975 €. Wenn wir so ein Gehalt ansetzen würden, würde man Einundreißigtausendvierhundersechsundvierzigtausendfünfhundereinundvierzig Jahre Arbeitszeit agregieren müssen, um die Kosten zu erwirtschaften …


Strom

Fangen wir mal mit den Stromkosten an. 2019 haben wir jeden Monat so ca. 350 € an die e•dis gezahlt.

Jetzt zahlen wir 22,95 € im Monat für die Cloud an SENEC und haben dann auch noch 2.553 Rückzahlung für unsere Einspeisung erhalten. Unser Kredit beläuft sich auf 450 € im Monat. Das sind „rechnerisch“ 100 € mehr, als die Kosten die wir bei der e•dis hatten - aber da wir auf den Monat umgelegt dann auch ca. 200 € zurück bekommen, hat die PV-Anlage im Grunde keinen negativen Einfluss auf das Haushaltsbuch …

Die notwendige Einschränkung ist hierbei allerdings der Hinweis „auf den Monat umgelegt“, denn per Abtretungserklärung erhält SENEC die EEG-Umlage monatlich vom Energieversorger und die Auszahlung/Vergütung erfolgt dann erst mit der Jahresendabrechnung.


Auto

Die Kosten für das Auto haben die größten Schwankungen, denn natürlich sind die Benzinkosten von den Arbeitswegen abhängig. Wir hatten 2019 eine Spanne von 213 – 335 € im Monat. Im Mittel können wir mit 320,25 € rechnen.

Mit einer größeren Reparatur an der Motorsteuerung hatten wir 2018 aber umgerechnet auf den Monat mit Ausgaben für das Auto von 689,75 € zu arbeiten. Und dass ist auch noch ein ganz kleines bisschen „geschönt“, denn wir haben das Ersatzteil für ca. 350 € privat bei eBay gekauft, was dann leider in MoneyMoney nicht in der Auto-Kategorie auftaucht. Aber als Näherung sollte es reichen:

Die R+V KFZ-Teilkasko-Versicherung für den Nissan Navarra hat 83,96 € im Monat gekostet; die Vollkasko für den Hyundai Kona electric kostet 89,12 €. Im Gegenzug dazu ist das Elektroauto 10 Jahre von der KFZ-Steuer befreit.

Das Kraftfahrzeugsteuergesetz (KraftStG) sieht spezielle Regelungen für reine Elektrofahrzeuge vor: Diese sind nach § 3d KraftStG für einen befristeten Zeitraum [aktuell 10 Jahre] von der Kraftfahrzeugsteuer befreit. Daran anschließend ermäßigt sich die zu zahlende Kraftfahrzeugsteuer um 50 Prozent (§ 9 Abs. 2 KraftStG).

KFZ-Steuer haben wir 386 € im Jahr für den Nissan bezahlt. Damit hat der Diesel im Monat 125,86 € gekostet, das Elektroauto ist also pro Monat ca. 42 € preiswerter im Unterhalt.

Für's Tanken haben wir 2019 insgesamt 2.454 € ausgegeben, also ca. 204 € im Monat. Mit dem eAuto mussten wir 2020 einmal an einer Allego Säule in Berlin laden. Das hat 3,59 € gekostet. Und war ein ganz großer Schmerz. Den Rest haben wir von der eigenen PV-Anlage bezogen. Inzwischen haben wir ca. 35.000 Kilometer durch eigenen PV-Strom zurückgelegt. Wenn ich bei spritkostenrechner.de den tagesaktuellen Diesel-Preis von 1,49 € und die durchschnittlich 15l/100km des 2008 Nissan Navara zugrunde lege, wären das 7.822,50 € die wir eingespart haben.

Das sind 20% der Investitionskosten für die PV-Anlage. Allein für das e-Auto und die damit verbundenen Einsparungen beim Kraftstoff hat die PV-Anlage ihre Anschaffungskosten also in knapp als 5 Jahren eingespielt. Und dabei wird noch einmal eine Strompreisveränderung angnommen, wobei die Kosten ja seit Jahren eher steigen …


Kleiner Stromkosten-Exkurs

Die Stromkosten steigen. Seit Jahren. Wir hatten damals einen Vertrag mit 19 ct/kWh und hatten noch 2019 einen Vertrag mit 33 ct/kWh „Ökostrom“.

Quelle: https://www.kwh-preis.de/strom/ratgeber/strompreisentwicklung

… und noch weiter steigen müssen, denn das Umweltbundesamt hat die „Gesellschaftlichen Kosten von Umweltbelastungen“ ermittelt und kommt aktuell zum Schluss, das man mindestens 195 € pro Tonne CO₂-Äquivalent, bei Gleichgewichtung der Wohlfahrt der Generationen sogar 698 € pro Tonne CO₂-Äquivalent.

So lange der Energiemix aber noch mit CO₂-Emissionen belastet ist, müssen die Kosten praktisch auch auf dem Strom umgelegt werden. Nach Willen der scheidenden CDU/CSU dominierten Bundesregierung sollen Gas und Kohlekraftwerke noch bis 2038 laufen.

… sorry für die Unterbrechung.
Jetzt gehts weiter:


Die Reparaturkosten des Nissans habe ich einmal auf 7 Jahre „erfasst“ und dann als Mittel auf  84 umgelegt und komme auf 128 € „pro Monat“, wobei klar wird, dass die Kosten mit steigendem Auto-Alter zugenommen haben:

Rechnen wir die 204 € für's tanken und 126 € für den Unterhalt zusammen, hat der Diesel 330 € im Monat gekostet. Die jährliche Wartung beim eAuto (endlich verstehe ich, was mit „Scheckheft gepflegt“ gemeint ist) belaufen sich auf 75 €, was dann auch nur 6,25 € im Monat sind. Bauen wir das mal als Tabelle zusammen:

Monatliche Kosten im Vergleich Nissan Navarra v.s. Hyundai Kona electric 2019
Position Diesel eAuto
KFZ-Steuer 126 €
Versicherung 83,96 € 89,12 €
Antriebsenergie 204 €
Werkstatt 128 € 6,25 €
Monatliche Kosten 541,96 € 95,37 €
Finanzierung 400 €
Summe 541,96 € 495,37 €

Wir haben uns also dazu entschieden, die Finanzierung des neuen Autos auf 400 € festzusetzen und damit ist in Summe das Haushaltsbuch sogar im Jahresmittel um 142 € pro Monat entlastet.


Heizung

Zum Thema Heizkosten habe ich bereits einen eignen Blog-Post erstellt, für diesen gibt es hiermit einen kleinen Nachtrag.

Der Installateur unseres Vertrauens hat leider den Wartungsvertrag aufgehoben. Wir liegen so weit außerhalb Berlins, dass sich die Wartung nicht mehr lohnt. 800 Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt wohnt Heizungsbauer Frank Dahms, der uns leider nur schriftlich mitteilte:

Sehr geehrter Herr Tralles,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Aus Kapazitätsgründen und auf Grund von akutem Fachkräftemangel, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir keine neuen Wartungskunden mehr annehmen können.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis und verbleibe.

Mit freundlichen Grüßen
Frank Dahms

Daher blieb uns nur, nachdem wir noch 5 weitere Unternehmen aus Eberwalder, Angermünde und Bernau angeschrieben haben, ein Wartungsvertrag mit dem VIESSMAN Werkskundendienst, der dann nicht 300 € sondern 700 € kosten wird. Verglichen mit den schwankenden Öl-Preisen für 3.500 Liter Heizöl, ist das echt entspannt. Aktuell würden wir mindestens 3.203 € für das Heizöl bezahlen müssen.

Quelle: https://www.fastenergy.de/heizoelpreise.htm?step=2&oid=fe_616431dd745dd&pid=YToxMjp7czozOiJvaWQiO3M6MTY6ImZlXzYxNjQzMTVhY2ZiNWEiO3M6OToiZmVfYW5yZWRlIjtzOjA6IiI7czoxOToiZmVfcmVjaG51bmdzX2FucmVkZSI7czowOiIiO3M6MTY6ImZlX2FibGFkZXN0ZWxsZW4iO3M6MToiMSI7czoxNDoiZmVfbGllZmVybWVuZ2UiO3M6NDoiMzAwMCI7czoxMjoiZmVfaW50ZXJmYWNlIjtzOjE2OiJmZV9xdW90ZV9yZXF1ZXN0IjtzOjc6ImZlX3NlbnQiO3M6MToiMSI7czozOiJwbHoiO3M6NToiMTYyMzAiO3M6MTM6ImFibGFkZXN0ZWxsZW4iO3M6MToiMSI7czo1OiJtZW5nZSI7czo0OiIzNTAwIjtzOjk6InRpbWVfY2FsYyI7aToxNjMzOTU2MzE3O3M6MTE6Im1ldGhvZF9jYWxjIjtzOjQ6InBvc3QiO30%3D&cid=2623182606

So wird Heizung und Warmwasser durch unseren PV-Strom erzeugt und das Jahres-Budget unseres Haushaltsbuchs ist deutlich entspannter.


Ernährung

Ich schrieb eingangs ja von vier Sektoren und nachdem ich nun Elektrizität, Heizung und Mobilität abgearbeitet habe, bleibt der Sektor Ernährung übrig. Auch dazu habe ich im Artikel holistischer Klimaschutz schon einen Einblick gegeben, aber ich kann es noch nicht sauber zerlegen, denn hier ist die Datenlage leider verzerrt. Ja. Wir geben jetzt mehr Geld für Ernährung aus. Aber: wir sind jetzt eben auch als Familie fast ein Jahr komplett im Home Office & Schooling gewesen, statt  Schulspeisung zum Mittag zu haben.

Quelle: https://www.loewen-menue.de/downloads/loewen-menue-40-21.jpg

Machen wir uns nichts vor, was für Qualität will man von einem Gericht für 4,40 € erwarten? Von daher haben wir also „billiges Kantinenessen“ gegen hochwertige vegane Ernährung getauscht. Frisch zubereitet, und nicht Quer durchs Land gefahren, sondern regionale Zutaten zuhause gekocht und noch frisch vom Herd serviert …


Fazit

Wir haben 3 teure Anschaffungen getätigt und in Summe π*daumen 130.000 € ausgegeben. Ein nicht unerheblicher Teil musste dabei eben auch durch Bank-Kredite finanziert werden. Aber verglichen normal mit „weiterlaufenden“ Kosten, haben die Darlehen den Vorteil, dass es absehbar ein Ende gibt.

Der Kredit für die PV-Anlage zum Beispiel läuft nur noch 7 Jahre. Danach haben wir am aber immer noch jeden Monat „unseren eigenen Strom“ und sind unabhängig von Stromkosten und können zudem die monatlichen Kosten einfach auf das Rücklagenkonto umbiegen. Für die Rente. Die dann nur noch 18 Jahre entfernt sein wird.

Ja. Wir haben für 24.000 € ein Auto gekauft (30.000 minus 6.000 € Förderung), aber auch da zahlen wir nur noch drei einhalb Jahre am Kredit ab. Dann sind aber auch erst 4 von 10 steuerfreien Jahren rum. Und. Ja. Wir haben für 50.000 € eine neue Heizungsanlage gekauft. Würde der Öl-Preis nicht steigen, hätten wir die Kosten durch die Heizöleinsparungen in 14 Jahren wieder eingespielt. Die alte Heizung hat nach 28 Jahren immer noch funktioniert und aktuell gehe ich davon aus, dass auch die neue Heizung langlebig und Wartungsarm ist; wir haben dann eben auf 14 Jahre auch 156.800 Kilogramm, sprich 156,8t CO₂ eingespart.

Hat es sich gelohnt, CO₂ neutral zu werden?

Von der CO₂-Einsparung gesehen, auf jeden Fall!

Und Finanziell hat es zumindest nicht dazu geführt, dass wir weniger Geld in unserem Haushaltsbuch hätten:

Kostenvergleich konventionell und CO₂ neutral
Position Konventionell CO₂ neutral
Auto 541,96 € 495,37 €
Strom 350 € 222,95 €
Heizung 250 € 58,33 €
Ernährung 828,58 € 974,42 €
Monatliche Ausgaben 1.970,54 € 1.751,07 €
Ersparnis 0 € 219,47 €

Was „unangenehm“ ist, ist die Vorstellung „Schulden“ zu haben. Wir haben halt für das Haus, die PV-Anlage und das Auto jeweils Bank-Darlehnen aufnehmen müssen. Die niedrigen Zinsen machen das aber überschaubar und wir sind in der glücklichen Lage „gesund“ zu sein und gute, sichere Arbeitsplätze zu haben. Und. Die Laufzeiten der Kredite sind auch überschaubar.

Wenn ich sehe, dass andere Familien im Alter von 20 – 25 Jahren Kredite in der Größenordnung von mehr als 500.000 € für ein eigenes Haus aufnehmen, da muss ich sagen, haben wir echt viel Glück gehabt und viel richtig gemacht …


Fazit Fazit

Machen. Lasst euch nicht von den hohen Summen absprechen. Rechnet in einer ruhigen Minute einfach mal eure Kosten durch und fragt im Zweifelsfall einfach einmal lokale Beratungsunternehmen. Es geht um die Zukunft. Ja. Klimaschutz kostet. Aber kein Klimschutz kostet uns allen unverhältnismäßig viel mehr!

Marco Tralles

Veröffentlicht vor 13 Tagen