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Ich könnt grad wieder platzen weil „ein Grüner“ mobil macht, gegen eine PV-Anlage.

vor 16 Tagen

Neuester Artikel ein Jahr elektro-Mobilität Autor Marco Tralles public

Ich könnt grad wieder platzen weil „ein Grüner“ mobil macht, gegen eine PV-Anlage.

Hallo Liebe Mitstreiter

Ich komme aus dem kleinen Dorf Tempelfelde im Sydower Fließ. Bisher war hier alles beschaulich und schön, wir haben 50 Windräder vor der Tür und haben damit gelernt zu leben.

Seit 2 Wochen sind wir in eine neue Situation gerutscht, die alles bisherige übertrifft.

Unsere Lieben Gemeinde Vertreter haben ohne die Anwohner zu informieren einen Aufstellungsbeschluss zur Planung eines 200 ha großen Solarparks beschlossen.

Das Problem: Die Fläche befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Wohnbebauung und genau zwischen 2 Ortsteilen. Ein Reiterhof und unser Wildkatzen Gehege werden 180 Grad eingebaut.

Wenn die Energiewende gelingen soll kann das nur mit den Bewohnern passieren und nicht gegen sie. Hier soll etwas durchgepeitscht werden, was der Sache nachher mehr schadet als nützt.

Mal zum Verständnis, unser 390 Einwohner Dorf bekommt direkt nebenan ein Mega Bauwerk mit einem Investitionsvolumen von 100 Mio Euro, so groß wie 400 Fußballfelder (In Wesow steht eine Schwester Anlage von Energie Baden Württemberg)

Wir haben aktuell die Situation das Solar Anlagen mittlerweile so billig geworden sind, das solche Vorhaben keine Subventionen mehr brauchen. Das ist auf der einen Seite schön, aber auf der anderen Seite führt es gerade zu einem ungeregelten Wildwuchs und zur Vernichtung von Flur und Landschaft. Ich habe erfahren das wohl ähnliche Anlagen mit insgesamt 1000 ha Fläche in den angrenzenden Dörfern forciert werden sollen.

Hier sehen wir gerade auch Auswüchse der Finanzindustrie weil der Zins so niedrig ist, wird das Geld in Mega Anlagen, welche nur minimal Rentabel sind, geparkt.

Diese Anlagen werden unsere Landschaft langfristig verändern.

Bei uns im Dorf gibt es jetzt große Verwerfungen und Grabenkämpfe zwischen Bürgern, Landeigentümern und Gemeindevertretern. Gerade in diesem kleinen ländlichen Bereich sind traditionell landbesitzende Bauern in den Gemeindegremien. Obwohl sich diese bei Gemeinde Entscheidungen offiziell raushalten ist ein Interessenkonflikt in so kleinem Rahmen unübersehbar.

Die Verlockungen der Investoren durch höhere Pacht Zahlungen im Vergleich zu Ackerbau sind enorm hoch.

Viele der verärgerten Einwohner haben das Gefühl das die Suche nach dem besten Standort anderen Interessen geopfert wurde.

Wir sind nicht gegen Solar, wir möchten Solar im Einklang mit Mensch, Tier und Natur.

Ich weiß nicht wirklich was wir machen können deshalb bitt ich hier um Mithilfe und Unterstützung.

Um die Solar Energie in dieser Größenordnung zu beherrschen, braucht es Regionalpläne, wo unabhängig entschieden wird welche Gebiete geeignet sind und welche nicht.

Ich würde mich freuen wenn meine Partei diesen Weckruf hört und das ganze versucht in Bahnen zu lenken. Das Problem muss auf politischer Ebene geregelt werden.

Hier noch ein paar Presse Links von der Demo die es letzten Donnerstag gab.

https://www.solarpark-tempelfelde.de
https://bernau-live.de/tempelfelde/protest-groesster-solarpark-deutschlands-soll-in-tempelfelde-entstehen
https://www.moz.de/lokales/bernau/energie-buergerinitiative-ruft-zur-demo-gegen-xxl-solarpark-im-barnim-auf-55828264.html
https://www.moz.de/lokales/bernau/photovoltaik-demo-gegen-_solarpark-xxl_-in-tempelfelde-55923396.html

Viele Grüße Harald Höppner

Ihr macht euch keine Vorstellung davon, wie sehr mich sowas ankotzt. Schon allein das von den Nazis immer gebrauchte „ich bin kein …, aber …“-Pattern und das vollumfängliche verdrängen der langfristigen Konsequenzen zugunsten einer kurzfrstigen Beibehaltung des Status Quo. Meine Antwort ist dementsprechend klar ausgfallen:


Lieber Harald,

Jedes Kilowatt, dass nicht aus Kohle oder Gas gewonnen wird, behält unseren Planeten auf dem Kurs „lebenswert“!

Schon jetzt sind bei der aktuellen Erderwärmung die Probleme nicht von der Hand zu weisen: https://www.sueddeutsche.de/wissen/duerre-klimawandel-waldsterben-borkenkaefer-trockenheit-1.5235883

Ja. Ich habe auch getrauert, als bei uns eine 60 Jahre alte Streuobstwiese gerodet und dort ein Solar-Feld installiert wurde - aber ganz ehrlich: wenn wir nicht „radikal umsteuern“, dann sind in 3 Generationen hier gar keine Bäume mehr! Und dann ist auch der Rotmilan, die Sumpfschildkröte oder die Rotbauchunke weg vom Fenster und wenig später WIR!

Aber wir brauchen einfach mal soviel PV- und Wind-Energie wie möglich! Und ein seit Jahren umbestelltes Feld für PV zu nutzen, ist wichtig und sinnvoll und nicht so unsinnig wie das abholzen von gesunden Mischwäldern für eine Autobahn.

Und. Hier bei uns grasen nun Schafe unter den PV-Panels :)

Weißt du, ich bin in der Nähe des AKW Rheinsberg aufgewachsen und mein Onkel hat in Schwedt gewohnt. Ohne Angst im Regen spazieren zu gehen, habe ich erst in den letzten Jahren gelernt, seid wir hier im Barnim leben …

Ich ärgere mich daher über jeden Grünen, der gegen PV-Anlagen oder Windräder argumentiert. Ich will nämlich, dass meine Kinder und Enkel hier noch in 100 Jahren ein lebenswertes Leben haben. Dafür bedarf es einer Kraftanstrengung - und hinzunehmen, dass das Regenwasser erst auf Glasplatten fällt bevor es im Boden versickert, zu akzeptieren, dass die Wiese auch in 10, 15 oder 20 Jahren noch immer ein Wiese ist und eben kein Wald - auch das gehört dazu.

100 Meter vor unserem Haus wird die aktuelle 220kV Leitung gegen eine neue 380kV Leitung ausgetauscht. Ärgerlich. Baulärm wird das ganze Jahr immer wieder zu erwarten sein. Rodungen waren jetzt, Gründung kommt als nächstes. Dann kommen die Masten. Dann die Leitungen. Dann der Rückbau der alten Leitung. Alles Unannehmlichkeiten. ABER NOTWENDIG!

Ich appellieren daher immer wieder an jeden Grünen: das „Bündnis 90, die Grünen“ hat nach dem Ausstieg aus der Atomenergie eine neue Aufgabe: die Bewahrung unseres Planeten durch konsequente Einhaltung der wissenschaftlichen Vorgaben zum Pariser Klimaschutzabkommen.

Das „1,5°C Ziel“ ist „keine Zielmarke“, sondern ein Szenario das es zu verhindern gilt! Wir

müssen mit aller Kraft den CO2 Ausstoß reduzieren.

Dazu gehören:

Energie-Wende
Die Energie-Erzeugung muss so schnell wie möglich komplett CO2 frei werden

Verkehrs-Wende
Keine Antriebs-Wende, sondern eine Verkehrswende. Also nicht nur die Verbrenner gegen eAutos substituieren, sondern nachhaltige ÖPNV und Fahrrad-Infrastruktur schaffen, so wie die Transformation durch die Pandemie weiter etablieren: Home-Office und Home-Schooling müssen zukunftsfähige Vorteile werden.

Agrarwende
Weniger Massentierhaltung, weniger Uran (https://www.deutschlandfunk.de/phosphatduenger-kann-grosse-mengen-uran-enthalten.697.de.html?dram:article_id=73624) und Nitrit auf den Feldern.

Ach Lieber Harald - liebe Grüne!

Es gibt so viele Dinge wir gemeinsam angehen müssen und Projekte, wie der Solarpark sind wichtig und notwendig.

Wenn wir mehr Bedeutung im Bund bei der Gestaltung der Zukunft für unsere Kinder und Enkel erlangen wollen, dann dürfen wir unsere eigenen Ziele nicht konterkarieren!

Sorry für den Rant.

Dein Ansinnen ist sicherlich gut gemeint, aber für das Ziel „Einhaltung des Pariser Klimabkommens“ ist auch der Solarpark ein wichtiger Baustein!

Wir Grünen dürfen die paar positiven Projekte nicht auch noch torpedieren - sondern, so sehr es auch ein Kraftakt sein mag, wir müssen diese Projekte unterstützen! Wir machen uns als Partei und Umweltbewegung unglaubwürdig, wenn wir das Waldsterben, die Dürren, das Artensterben, die Klimakatastrophe, das schmelzen der Polkappen, das abschwächen des Golfstroms, die Wetterextrema, ETC. Anprangern und von der Wirtschaft und Politik ein entschlossenes Eingreifen verlangen und dann sinnvolle und notwendige Projekte mit vorgeschobenen lokalen Befindlichkeiten ablehnen.

WENN die Klimaerhitzung die 1,5° überschreiten, dann sind die 200 Hektar Wiese unser allerkleinstes Problem. Das dürfen wir nie vergessen. Wir brauchen mehr Windräder (weil PV nur die hälfte des Tages strom erzeugen kann) und wir brauchen mehr PV weil auch tagsüber der Stromverbrauch durch die Wirtschaft enorm ist. Wir brauchen auch Speicher Konzepte - aber wir müssen verhindern, dass wir grüne daraus ein henne-ei-problem machen …

Ich wünsche dir trotzdem einen guten Start in die Woche!
Hochachtungsvoll,
Marco

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Marco Tralles

Veröffentlicht vor 16 Tagen