Am Sonntag den 26ten September 2021 fand die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt. Doch es geht um mehr, als nur die Frage „wer wird Deutschland die nächsten 4 Jahre regieren“. Es geht um die Frage „wie wird dieser Planet in 20, in 50 oder 100 Jahren aussehen …

vor einem Monat

Neuester Artikel CO₂ und das Haushaltsbuch Autor Marco Tralles public

Am Sonntag den 26ten September 2021 fand die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt. Doch es geht um mehr, als nur die Frage „wer wird Deutschland die nächsten 4 Jahre regieren“. Es geht um die Frage „wie wird dieser Planet in 20, in 50 oder 100 Jahren aussehen …

In Brandenburg hatten wir eine Wahlbeteiligung von 75,6% und auch wenn die Nazis mehr als 2% verloren haben, haben wir immer noch viel zu viele Faschisten in der Nachbarschaft. Ich war mit meiner Tochter Flyer verteilen und das höflichste war noch, dass wir die Flyer nicht in den Briefkasten werfen brauchen weil „eurer Partei ja am herzen liegt, dass Müll vermieden wird“. Wir haben locker 15 Kilometer in dem kleinen Britz zurück gelegt und ca. 800 Flyer verteilt.

Und wenn ich jetzt daran denke, dass jeder Fünfte Nachbar ein Nazi ist läuft es mir immer noch kalt den Rücken runter …

Die €DU hat 11,4% verloren und liegt damit unter den Nazis, und die SPD hat 11,9% gewonnen und geht mit 29,5% als klarer Gewinner aus der Wahl hervor. Die Linke hat ihr Ergebnis halbiert und die Grünen verdoppelt …


Auf ganz Deutschland verteilt es sich ähnlich. Die Nazis haben deutlicher Verloren und liegen nur noch bei 10,3%. Die CDU hat wegen Armin Laschet massiv verloren und die SPD ist auch deutschlandweit die stärkste Kraft. Trotz Olaf Scholz.

Jetzt gibt es Koalitionsverhandlungen und diskutiert wird „die Ampel“ (Rot, Gelb, Grün) aus SPD, FDP und Grüne oder „Jamaika“ (Schwarz, Gelb, Grün). Und natürlich gibt es auch Ideen, die große Koalition unter SPD-Führung fortzusetzen.

SPD + CDU + CSU hätten 402 von 735 Sitzen.
SPD + Grüne + FDP hätten 416 von 735 Sitzen.

Die Ampel hätte also eine deutlich komfortablere Mehrheit. Aber die FDP will keinen Klimaschutz sondern hofft auf ScienceFiction-Technologie. Da passt es dann auch, dass wir die Partei „die Ferengi“ nennen …

Da „Die Linke“ ihre Stimmenanteile halbiert hat, ist GR₂ auch keine Option mehr, da die „absolute Mehrheit“ nicht erreicht werden kann.

Gemäß der aktuellen Entwicklung steuern wir laut IPCC auf 4,7° mittlerem globalen Temperaturanstieg zu. Auch das Umweltbundesamt ist besorgt. Die aktuellen Messungen zeigen sogar, dass die Arktis doppelt so schnell abtaut, wie noch vor 4 Jahren in den Modellen angenommen. Das Mehreis ist jetzt bereits um 7,4 % geschrumpft, während nur 2,7% angenommen wurde. Und die kurzfristig beobachteten Niederschläge haben sich ebenfalls merklich verändert. Wir haben Dürren mit massiven Ernteausfällen und wir haben Starkregenereignisse die ganze Dörfer weggespült haben …

Und trotzdem haben die Menschen in Ahrweiler / Altenahr wieder die CDU gewählt. 28,5% CDU, 28,8% SPD. Ein Verlust von 12,1% für die CDU und trotzdem gibt es Bezirke, das sind gerade die am stärksten vom Hochwasser betroffenen, die weiterhin bei zu den Verursachern der Katastrophe stehen.

Ich hatte irgendwo gelesen, dass es auf 10 Jahre gerechnet etwa 15 Millionen Euro gekostet hätte, Polder anzulegen und die Bebauung so zu gestalten, dass Starkregenereignisse keinen Einfluss haben. Aber die Flächenversiegelung für Autobahnen, Industriegebiete und Wohnungen in Hochrisiko-Gebieten, haben das Problem erst verursacht …

… und was jetzt für den Wiederaufbau nötig ist, ist ein Budget von mindestens 30 Milliarden Euro, allein der versicherte Schaden beträgt laut Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß allein 18 Millarden Euro.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.
— Albert Einstein

Die nächste Bundesregierung muss den Klimaschutz in den Fokus stellen, muss den Filz der Korruption der CDU/CSU auskämmen und muss die Weichen für die nächsten 20 Jahre stellen.

Der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat den Windkraftausbau sabotiert, hat die Solarindustrie ruiniert und hat maßgeblich dazu beigetragen, die Kohleverstromung noch bis 2038 zu betreiben …


Ich hoffe wirklich, dass Die Grünen die richtigen Prioritäten setzen und dass die SPD mit ihrem Klimaschutzprogram das Pariser Klimaabkommen ernsthaft adressieren. Aktuell reicht es nicht für 1,5°, nicht mal 2° sind mit dem aktuellen Programm drin. 3,7°C ist die aktuelle dystopische Prognose …

Als Familie haben wir getan, was wir konnten. Wir liegen mit unserem CO₂-Fußabdruck quasi bei 0, weil wir mit unserer PV-Überproduktion auch für Ausgleich bei anderen sorgen. Ich bin optimistisch, dass jede*r enttäuschte*r Wähler:in ebenfalls ihr Möglichstes tut. Die 620.000 Teilnehmer:innen des Klimastreiks, zwei Tage vor der #btw21 sind bei 61 Millionen Wahlberechtigten nur ein knappes Prozent. Trotzdem haben  fast 15% die Grünen gewählt.

Das macht Mut. Aber 15% sind bei Entscheidungen im Bundestag halt eben auch fernab jeder Mehrheit. Ich hoffe einfach, dass „überleben wollen“ zum gesamtgesellschaftlichen Konsens wird. Dass Klimaschutz nicht als Hemmschuh, sondern als Motor für Innovation angesehen wird …


Natürlich gibt es auch die Frage danach, warum die Grünen nach anfänglichen Umfragen von bis zu 27% „so abstürzen“ konnten.

Wir müssen in den nächsten 4 Jahren an den Medien arbeiten.

Wir müssen dafür sorgen, dass Inhalte im Fokus stehen, statt unsäglich lange Diskussionen darüber, ob nun einzelne Zeilen in einen mittelmäßigen Buch nach den Standards einer wissenschaftlichen Arbeit ausgezeichnet werden müssen …

Wir müssen jede Lüge, jede Korruption, jedes gebrochene Versprechen öffentlich machen, müssen die Politiker:innen an den Pranger stellen und ihr Fehlverhalten öffentlich ächten.

Es liegen 4 harte Jahre vor uns. Aber politische Arbeit ist nun einmal Arbeit. Und sie ist undankbar, denn man kann es nicht jedem Recht machen. Und leider gibt es viel zu viele Menschen, die egoistisch und / oder dumm genug sind, nicht zu erkennen dass die Klimakatastrophe genau jetzt stattfindet und dass wir dafür sorgen müssen, dass wir als Menschheit die tiefgreifenden Veränderungen, die vor uns liegen, so sehr verlangsamen, dass wir als Gesellschaft uns daran anpassen können und überleben.

Marco Tralles

Veröffentlicht vor einem Monat